Geheime Einsatzübung für die Feuerwehr in Bollen

Bollen. Können Feuerwehrleute in einer verqualmten Scheune ihre eigenen Hände überhaupt noch erkennen? Diese Frage kann wohl getrost mit nein beantwortet werden. Damit in einem Ernstfall jeder Handgriff der ehrenamtlichen Brandbekämpfer sitzt, proben sie regelmäßig den Umgang mit ihren Atemschutzgeräten.

19.15 Uhr am Mittwochabend. Das Feuerwehrhaus am Arenkamp liegt im Dunkeln. Regen prasselt auf den Vorplatz. Wie aus heiterem Himmel setzt hektisches Treiben ein. Von beiden Seiten nähern sich Autos. Die Männer – aber auch einige Frauen – springen aus ihren Wagen und sprinten ins Gerätehaus. Weitere Feuerwehrleute hatten sich zu Fuß auf den Weg gemacht und trudeln ein. Beobachter wissen, kurz zuvor hat die Rettungsleitstelle in Verden die Pieper der Feuerwehrleute ausgelöst und sie über einen Brandeinsatz informiert.
Nach zwei Minuten geht das Licht in der Fahrzeughalle an und die Tore öffnen sich. Weitere zwei Minuten später tönt ein Martinshorn durch die Nacht und Blaulicht flackert. Das erste Einsatzfahrzeug, besetzt mit neun Feuerwehrleuten, rückt in Richtung Bollen aus.

Bereits während der Anfahrt durch Uphusen, den Ortsrand von Mahndorf und anschließend über die langgezogene Kreisstraße 1 meldet der Disponent der Leitstelle weitere Informationen. So soll bei Arbeiten in einer Scheune ein Feuer ausgebrochen sein. Mehrere Arbeiter werden vermisst. Noch ahnen die Einsatzkräfte nichts von einer Übung.

Auf halber Strecke nach Bollen dann eine Schrecksekunde. Ein Schwertransporter mit Überbreite, beladen mit einer großen Baumaschine für den Pipelinebau, steht auf der schmalen Straße. Der Fahrer des tonnenschweren Feuerwehrwagens muss mit den linken Reifen auf den unbefestigten Fahrbahnrand ausweichen und kann den Schwertransport nur im Schneckentempo passieren. So geht es auch den nachfolgenden Einsatzfahrzeugen, die binnen Minuten in Bollen eintreffen.

Vor der Scheune wird den Beteiligten schnell klar, dass es sich nur um eine Übung handelt. Uphusens Ortsbrandmeister Rainer Seecamp empfängt die Brandbekämpfer und weist sie in das Szenario ein. Während unter freiem Himmel Schlauchleitungen gelegt werden, müssen Feuerwehrleute im Inneren nach vermissten Personen suchen. Um den Einsatz realistisch zu gestalten, werden die Helm-Visiere mit Folie abgeklebt. Die nun „blinden“ Einsatzkräfte tasten sich auf allen Vieren durch die Scheune. Trotz der vielen Landmaschinen und Werkzeuge finden sie nach kurzer Zeit das erste Opfer, gespielt von einem Mitglied der Jugendfeuerwehr. Wenig später kann ein zweiter junger Mann von einem Trupp gerettet werden. Um möglichst viele Atemschutz-Geräteträger trainieren zu können, verstecken sich beide anschließend erneut in der Scheune und lassen sich mehrfach retten.

Währenddessen proben die Uphuser und Bierdener die Koordination mit dem Einsatzleitwagen. Dieser ist in Achim stationiert und rückt bei größeren Einsätzen aus. Von dem Fahrzeug aus werden die Einsätzkräfte koordiniert. Außerdem wird von hier aus der Kontakt zur Verdener Rettungsleitstelle gehalten.

Nach einer knappen Stunde können die Feuerwehrleute ihr Equipment wieder in die Fahrzeuge laden. Anschließend steht Theorie an: Die Landwirts-Familie Vagt, die ihre Scheune für die Übung zur Verfügung gestellt hatte, zeigte den Feuerwehrleuten die benachbarte Biogasanlage und klärte sie über mögliche Gefahren auf.

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