Achim. An die während des Nationalsozialismus ermordeten Achimer Juden erinnern Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig für die Opfer des NS-Terrors verlegt. 18 solcher kleinen Mahnmale gab es bis zum Wochenende in Achim. Nun kamen vier Stolpersteine dazu.

Im Beisein von Mitgliedern des Achimer Appells setzt Gunter Demnik einen Stolperstein in das Straßenpflaster im Philosophenweg.
Dass es in Achim Stolpersteine gibt, ist dem Achimer Appell, einer lockeren Vereinigung von Achimer Bürgerinnen und Bürgern, die sich um die Aufarbeitung der Achimer Geschichte bemüht und gelegentlich zu politischen Fragen Stellung bezieht, zu verdanken. Deren Mitglieder und einige Gäste fanden sich am Sonnabendnachmittag vor dem Haus Nummer 1 im Philosophenweg ein. Hier setzte Gunter Demnig nach einer kleinen Zeremonie einen Stolperstein ein. Er soll an Friedrich Friedrich Eduard Brüns erinnern.
„Vor sechs und fünf Jahren haben wir 18 ermordete jüdische Mitbürger symbolisch wieder heimgeholt, indem Gunter Demnig vor ihren letzten Wohnungen Stolpersteine ins Pflaster gesetzt hat. Heute ist er wieder hier, um vier Steine zu verlegen, die an Opfer der Rassen- und Euthanasiepolitik erinnern werden“, sagte Hans-Ludwig Schröder, Pastor im Ruhestand, vor dem Einsetzen des Steines. In allen vier Achimer Fällen handelt es sich um psychisch Kranke und geistig Behinderte, die zunächst in Rotenburg gepflegt wurden. Junge Frauen wurden hier, meist gegen ihren Willen, sterilisiert, wenn das sogenannte Erbgesundheitsgericht Verden dies verfügt hatte. Dies geschah bereits ab 1933.
Später ermordete man sie in bestimmten Anstalten, zu denen man sie oft auf Umwegen brachte, damit sich ihre Spur verlor. Als Todesursache wurden den Angehörigen erfundene Krankheiten wie Herzschwäche genannt. „Der Achimer Appell holt mit dieser neuen Steinsetzung weitere vier Opfer der verbrecherischen NS-Politik in unsere Mitte zurück. Es waren alles Menschen, die trotz ihrer Behinderung gern gelebt hätten“, formuliert es das Achimer Appell-Mitglied Bernd Potyka.
Der Stein im Philosophenweg 1 erinnert an Friedrich Eduard Brüns. Er wurde am 6. Juli 1905 als Sohn des Zigarrensortierers und späteren Bahnunterhaltungsarbeiters Franz Brüns und seiner Ehefrau Hedwig Marie Sophie geb. Lührs geboren. 1925 wurde er in die Anstalt Rotenburg eingewiesen und 1941 in einer Tötungsanstalt bei Weilmünster ermordet.
Der Stein in der Uphuser Heerstraße 71 ist Hinrich Rebers gewidmet. Er wurde am 4. März 1909 in Uphusen als Sohn des Tischlermeisters Hinrich Rebers und seiner Ehefrau Meta geb. Howe geboren. Im April 1935 wurde er in die Rotenburger Anstalt eingewiesen. Im Rahmen der Verschleierung der massenhaften Ermordung behinderter Menschen wurde er 1941 in die „Heilanstalt“ Sorau (heute Zarach in Polen) verlegt und dort am 30. November 1943 ermordet.
Marie Sophie Wülbers wird mit einem Stein in der Badener Dorfstraße 31 gedacht. Sie wurde geboren am 26. September 1892 in Baden als Tochter des Zimmermanns Hermann Wülbers und seiner Ehefrau Anna Christine geb. Oeding. Zusammen mit 64 Frauen wurde sie am 5. Mai 1941 nach Weilmünster deportiert, wo sie am 22. April 1942 ermordet wurde.
Der vierte Stolperstein ist vor der Hausnummer 49 in das Pflaster der Bahnhofstraße eingelassen. Hier wohnte Else Lisbeth Warnken. Sie wurde am 25. Dezember 1923 als voreheliches Kind von Lisbeth Erna Else Ziemer geboren und vom Vater, dem Schlosser Hans Warnken, als das seinige anerkannt. Sie starb nach einer Zwangssterilisation am 26. Juni 1937.