Ottersberg. „Einige wollten zum Einkaufen nach Posthausen, andere zu einem Arzt nach Ottersberg. Wir haben alle Wünsche zusammengetragen und einen Fahrplan daraus gebastelt, der vorgestern frisch aus dem Druck kam“, sagt Martin Borchers.
Lobende Worte sprach er über die Landesverkehrsgesellschaft in Hannover, die den ’Löwenanteil’ für den Bus bezahlt hat. Weitere Unterstützung kamen vom Landkreis und der Gemeinde. „Mich hat sehr gefreut, dass die Politiker aus alle Fraktionen des Rates einstimmig beschlossen haben, den Bürgerbusverein zu unterstützen“, berichtet der erste Vorsitzende. Trotzdem sucht er noch weitere Geldgeber, denn der laufende Betrieb ist mit das Teuerste an dem ganzen Projekt. Monatlich müssen 1800 Euro aufgebracht werden. „Deshalb trägt der Bus auch Reklame“, sagt Martin Borchers. Hauptsponsor ist der Weser-Kurier und seine Lokalausgabe Achimer-Kurier.
Der Bürgerbus ist ein umgebauter Fiat. Der Aufbau unterscheidet sich von vielen Modellen, die in benachbarten Vereinen gefahren werden. „Für uns war der Ein- und Ausstieg ein wichtiges Kriterium. Bürgerbusse anderer Fabrikate haben nur eine Eingangstür. Wenn die mal defekt ist, komme ich weder rein oder raus, außer über die Bodenluke. Aber das ist nur eine von mehreren technischen Feinheiten“, sagt Vorstands-Mitglied Reiner Sterna.
Am Steuer des Busses sitzen ehrenamtliche Fahrer. 27 gibt es schon, aber es wird noch nach Unterstützung gesucht: „Wir können weitere Fahrer gut gebrauchen, denn wir fahren von Montag bis Freitag von kurz nach acht bis 20 Uhr im Dreischichtsystem. Das ist eine ganz gehörige Zeit ehrenamtlicher Arbeit ohne Vergütung, die wir auf den Straßen verbringen“, sagt Reiner Sterna. Nach seinen Angaben bereitet es den Fahrern viel Freude, den Bus durch die Ortschaften zu steuern. Eine Herausforderung ist allerdings der Verkauf von Tickets. „Der Fahrgast, der beispielsweise in Ottersberg einsteigt, kann nicht nur ein Einzelticket lösen, sondern auch sein Niedersachsenticket kaufen oder seine Monatskarte einlösen. Das muss der Fahrer natürlich erst einmal beherrschen“, sagt Sterna.
„Für jemanden, der sich vorher nie mit dem Tarifsystem beschäftigt hat, ist es nicht leicht zu erlernen. Das liegt daran, dass es sehr viel auf einmal ist“, sagt Dagmar von Westernhagen, Mitarbeiterin des Vonau Reisedienstes. Sie hat die Schulung der Fahrer übernommen. Anfangs hat sie die Standardtouren erklärt. So kostet eine einfache Fahrt, beispielsweise zu Dodenhof, 1,75 Euro. „Kompliziert wäre, wenn jemand mit einer Monatskarte für die Zone Ottersberg einsteigt und eine Weiterfahrt vom Bahnhof Sagehorn nach Bremen wünscht“, erklärt die Fachfrau.
Anders als in Achim bietet der Bürgerbus in Ottersberg nur eine Linie an. Besonders häufig passiert der Bus die Bahnhöfe in Sagehorn und Ottersberg. „Bei der Fahrplangestaltung haben wir uns danach gerichtet, wann die Züge ankommen und abfahren. Damit gibt es mehr Verbindungen“, erklärt Sterna. Auf der Route durch die Ortsteile steuert der Bürgerbus neben Ottersberg auch Otterstedt, Quelkhorn, Fischerhude und Posthausen an.