Baden. Bombastisch – mit keinem anderen Wort kann Manfred Huhs, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Badener Vereine, den Verlauf des ersten Erntefestes in Baden seit 59 Jahren beschreiben. Bei schönstem Sonnenschein setzten sich mittags 40 Erntewagen und Fußgruppen in Bewegung.
„Mit so vielen Menschen haben wir im Vorfeld nicht gerechnet. Ganz am Anfang der Planungen gab es sogar viel Skepsis im Ort“, sagt Manfred Huhs. Wie sehr die Erwartungen der Organisatoren übertroffen wurden, zeigt sich an der Zahl der Umzugsteilnehmer. „Wir haben mit acht oder zehn Wagen gerechnet. Gestern wussten wir von 30 Teilnehmern. Am Ende waren es 40 Wagen mit schätzungsweise 1000 Beteiligten“, so der Vorsitzende der Initiative.
Die Karawane bildete den Auftakt des Erntefestes und sorgte für beste Unterhaltung entlang der Strecke. Diese führte vom Edeka-Parkplatz einmal durch den ganzen Ort und endete im Zentrum, das für einen Tag für den Verkehr tabu war. Einige Tausend Schaulustige standen an den Straßenrändern und bejubelten die liebevoll geschmückten Wagen und verkleideten Fußgruppen.
Angeführt wurde der Festumzug von Erntepaar Lisa Jentsch und Nico Ellmers. Es folgten die als Sonnenblumen verkleideten Mädchen und Jungen des Kindergartens. Flower-Power war bei den Fußballern des SV Baden angesagt. Der Kicker-Nachwuchs zeigte Flagge und rollte in Trikots und mit Fußballtoren durch den Ort. Die Kinder der Wasserwacht winkten von ihrem Paddelboot aus den Zuschauern zu. In hübschen historischen Kleidern beteiligten sich die Verkäuferinnen von Edeka Neukauf-Bischoff und Bäckerei Freter unter dem Motto „Korn und Brot“ an dem Umzug. Getränkehändler Ahlers schenkte in einem Oldtimer aus Freibier aus.
An der Karawane beteiligten sich auch viele Wagen, die schon an Erntefesten in der Umgebung beteiligt waren. Beispielsweise gab es ein Wiedersehen mit dem Feuerwehr-Leiterwagen aus Langwedel, der beim Bassener Erntefest nach Punkten alle anderen Festwagen abgehängt hatte. Auch das Piratenschiff MS Princess of Campen rollte nach einem Abstecher zum Ottersberger Herbstmarkt durch Baden. Stolz zeigten sich die Freibeuter an Deck. Nach dem Dorffest in Uphusen watschelten zwei Dutzend als Enten verkleidete Schützen durch die Straßen des südlichsten der Achimer Stadtteile.
Eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Zeitungsredakteur Manfred Brodt, Pastor Martin Behr und Künstler Günter Klein bewertete die Umzugsteilnehmer und kürte nachmittags auf der Festmeile die schönsten Wagen. „Wir achten auf Kreativität, aber das Thema soll auch mit Ernte zu tun haben. Am liebsten sind mir die Gruppen, die viel Herzblut in ihren Wagen gesteckt haben“, sagte Manfred Brodt. Für ihn und seine beiden Jury-Kollegen war die Entscheidung schwer. „Am liebsten hätten wir allen Teilnehmern Preise gegeben“, sagte Brodt. Am Ende stand die Straßengemeinschaft Heimstättenweg und Am Schießstand mit ihrem Motto „Mit Speck fängt man Mäuse“ ganz oben auf dem Treppchen. Über einen zweiten Rang konnten sich die Kinder und Jugendlichen der Feuerwehr Baden freuen. „Dorfgemeinschaft früher“ hieß das Motto der drittplatzierten Dorfgemeinschaft Badenermoor.
Auf der Festmeile feierten zeitweise bis zu 3000 Menschen ihren 998 Jahre alten Ortsteil. Während Kreislandwirt Joost Meyerholz seine Ansprache zum Erntedankfest hielt, herrschte noch Ruhe im Publikum. Das änderte sich bei den Beiträgen von Kindergarten, Grundschule und Turnverein. Begeistert wurde mitgeklatscht, und als die Kinder Tänze aufführten, zückten Dutzende Eltern ihre Kameras und fotografierten und filmten den Auftritt. Abends endete das Fest mit einem Dämmerschoppen.
Das erste Badener Erntefest nach langer Zeit galt als Generalprobe für die 1000-Jahr-Feier in zwei Jahren. Nach dem Festverlauf am Wochenende können sich die Organisatoren der Arbeitsgemeinschaft der Badener Vereine entspannt an die Planungen für 2013 machen, denn nach diesem Erfolg wissen die Macher ihren gesamten Ortsteil hinter sich.
So sieht es auch Bürgermeister Uwe Kellner: „Ich glaube, Sie sind alle genau so überwältigt wie ich. Heute hat der Erfolg ganz ganz viele Väter, Mütter, Onkel, Tanten und Freunde. Sie alle haben es mit Ihrem Sachverstand, Ihren Ideen und viel Kreativität ermöglicht, dass so eine Generalprobe vonstatten gegangen ist, wie sie sicherlich keiner erwartet hat“, lobte er die Leistung der Badener. Er wünschte sich, dass Vereine, Unternehmer und Politik auch künftig an einem Strang ziehen. „Dann sind wir auf einem sehr guten Weg, das Festjahr wunderbar zu organisaieren“, sagte Kellner.