Achim. Noch hat er nur wenige Hundert Kilometer auf dem Tacho – aber wenn es nach dem Willen des Bürgerbusvereins geht, soll das nagelneue Fahrzeug demnächst reichlich Meilen sammeln. Seit Beginn der Woche rollt Achims erster Bürgerbus über die Straßen der Weserstadt.
Aber noch darf kein Passagier auf den acht Polstersitzen Platznehmen, denn die ehrenamtlichen Fahrer müssen das Manövrieren mit dem großen Fahrzeug üben. Richtig los geht es am 1. November mit dem neuen Fahrplan des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachen (VBN).
„Wir liegen genau im Zeitplan“, sagt Peter Hencke, Vorsitzender des Achimer Bürgerbusvereins. Dieser hat zwischen der Anlieferung des Busses und Fahrtbeginn bewusst einige Wochen als Puffer freigelassen. In dieser Zeit sollen die Achimer den Bus kennenlernen. Präsenz zeigt das Fahrzeug in den kommenden Wochen bei Vereinen in den Ortsteilen.
Aber auch den Achimer Wochenmarkt möchten die Ehrenamtlichen häufig ansteuern. Hier präsentierten die Vereinsmitglieder am Mittwoch erstmals ihr Fahrzeug. „Wir haben einen halben Karton Fahrpläne verteilt und hunderte Fragen beantwortet“, freut sich der Vereinsvorsitzende. Denn noch haben die künftigen Nutzer jede Menge Fragen. Beispielsweise, ob man den Bus wie ein Taxi bestellen muss? „Nein, denn der Bus fährt, wie bei den anderen VBN-Linien, nach einem Fahrplan“, erklärt Hencke.
Drei Linien gibt es im Achimer Stadtgebiet. Alle starten und enden im Stadtzentrum. Die blaue bedient Bierden und Uphusen. Eine rote verläuft durch Uesen und Baden nach Badenermoor. Die grüne Strecke geht durch Borstel und Embsen. Der Bürgerbus verkehrt auf Strecken, die aus Kostengründen nicht von den großen VBN-Bussen bedient werden können.
Nach Angaben von Hencke zählt der Bürgerbusverein inzwischen fast 60 Mitglieder. Für die Vereinsarbeit sind die künftigen Fahrer des umgebauten Volkswagens besonders wichtig. Die Ehrenamtlichen sollen das Gefährt werktags bis 20 Uhr und am Sonnabend bis etwa 13 Uhr über Achims Straßen bewegen. Dabei sollen die Fahrer spätestens nach vier Stunden wechseln und etwa zwei- oder dreimal monatlich hinter dem Lenkrad sitzen. Deswegen benötigt der Verein viele Ehrenamtliche. 30 haben sich bereits gemeldet und die ersten Hürden genommen.
„Da der Bus nur acht Personen befördern kann, ist keine besondere Fahrerlaubnis notwendig. Der normale Pkw-Führerschein reicht aus“, teilt Peter Hencke mit. Allerdings müssen die Fahrer mindestens 21 Jahre alt sein und weitere Kriterien erfüllen. Etwa 200 Euro investiert der Verein in jeden neuen Fahrer. „Jeder Fahrer benötigt einen neuen Führerschein im Scheckkartenformat. Die alten Lappen aus der Jugendzeit müssen deswegen umgeschrieben werden“, gibt der Vorsitzende ein Beispiel für anfallende Kosten. Außerdem muss ein Personenbeförderungsschein beantragt werden. Hierfür sind neben Meldebescheinigung und Führungszeugnis auch eine ärztliche Untersuchung notwendig. „Der Arzt überprüft die allgemeine Gesundheit und macht einen Seh- und Hörtest“, sagt Peter Hencke.
Die Fahrer der ersten Stunde kommen aus allen Bevölkerungsschichten. „Der größte Teil ist allerdings nicht mehr Berufstätig“, sagt Hencke. Unterstützt von einem Fahrlehrer, unternehmen die Ehrenamtlichen erste Fahrversuche im Stadtgebiet. Beispielsweise, wie sie den Wagen rückwärts in die Garage am Wehrfelde einparken können. „Offiziell handelt es sich bei unserem Bürgerbus um einen Pkw, rückwärts gefahren wird allerdings über die Seitenspiegel“, sagt Peter Hencke. Auch die Ausmaße des Fahrzeugs entsprechen nicht der üblichen Familienkutsche. Sechs Meter misst der Wagen.