1,4 Millionen Euro für Erbhof-Renovierung

Thedinghausen. In weniger als zwei Jahren soll der Erbhof wieder so aussehen, wie er vor knapp 200 Jahren einmal ausgesehen hat. Damals wurde das vom Bremer Erzbischof Johann Friedrich von Holstein-Gottorf gebaute Schloss umgebaut. Auf etwa 1,4 Millionen Euro werden die Sanierungsarbeiten veranschlagt.

Gerd Schröder (rechts) begrüßte gestern die Geldgeber im Erbhof.

Gerd Schröder (rechts) begrüßte gestern die Geldgeber im Erbhof.

„Der Erbhof ist aufgrund seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung das bedeutendste profane Baudenkmal im Landkreis Verden“, sagt Gernot Fischer vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Er hat die Restaurierungskonzeption verfasst. Äußerlich wird an dem Baudenkmal wenig verändert. Lediglich die roten Dachpfannen sollen gegen dunkle Schieferschindeln getauscht werden. Vorher soll der Dachstuhl gerichtet werden. „Das ist immer noch der erste und inzwischen 400 Jahre alt“, sagt Samtgemeindebürgermeister Gerd Schröder.

Die größten Veränderungen finden im Renaissance-Saal statt. Im 18. Jahrhundert wurde der Raum mit einer abgehängten Decke versehen. Diese hat die alten Balken von 1620 mit ihrer Malerei geschützt. Diese soll nun für alle wieder sichtbar gemacht werden. Während der Arbeiten sollen auch Wände eingerissen werden, um die ursprüngliche Größe des Saals von 120 Quadratmetern wieder herzustellen.

Der Boden wird mit handgefertigten Fliesen versehen. Außerdem bekommt der große Saal neue handgeschnitzte Fenster. Jedes sieht, wie die historischen Vorbilder, anders aus. Ein Kamin soll den Raum zusätzlich schmücken. Die Teile des Kamins wurden teilweise in der Gartenmauer und in einer Brunnenwand entdeckt. Sind alle Arbeiten ausgeführt, sieht der Saal wieder so aus wie von 1620 bis vor 200 Jahren. Er bietet Platz für 100 Personen und soll für Konzerte und Vorträge genutzt werden.

Nur ein Detail passt nicht ins altertümliche Bild. Architekt Lennart Hellberg hat einen Fahrstuhl eingeplant, der in einem südlichen Vorbau entstehen soll. Das Obergeschoss mit seinem Trauzimmer ist von den Umbauarbeiten nicht betroffen. Dafür entsteht im Erdgeschoss ein Empfang mit Garderobe, zusätzlich Sanitärräume, Teeküche und eine Künstlergarderobe. Während den Bauarbeiten soll auch die Heizungsanlage gegen ein neues Modell ausgetauscht werden. Der Erbhof erhält eine Brandmeldeanlage, die mit der Verdener Rettungsleitstelle verbunden ist. Ferner werden, so die Vorschrift, die Rettungswege aus dem Gebäude deutlicher gekennzeichnet.

Sämtliche Arbeiten werden von kleinen Firmen aus dem ganzen Bundesgebiet erledigt, die sich auf das Restaurieren alter Gebäude spezialisiert haben. Deswegen sind in den kommenden Monaten wohl nie mehr als 20 Bauarbeiter auf der Baustelle anzutreffen.

Gestern begrüßte Gerd Schröder die Geldgeber für das Projekt im Trauzimmer des Erbhofes. „Wenn schon so viele Mittel nach Thedinghausen fließen, dann möchten wir dies im schönen Rahmen begehen“, sagt Gerd Schröder. Etwa 58 Prozent, 814.000 Euro, stammen aus öffentlichen Fördermitteln, von denen gestern die Bescheide aus dem Bundesmittel-Sonderprogramm Denkmalschutz (274.000 Euro), dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums, kurz ELER, (200.000 Euro) und über 40.000 Euro vom Land Niedersachsen überreicht wurden. Der Kreis Verden steuert 300.000 Euro bei. Die Samtgemeinde Thedinghausen stemmt 386.000 Euro. Allerdings könnte sich diese Summe noch verringern, da über zwei Fördermittelanträge noch nicht entschieden wurde.

Großes Lob richtet Gerd Schröder an vier Stiftungen. Diese steuern durch Spenden 200.000 Euro zu der Erbhof-Sanierung bei. 75.000 Euro investiert die Niedersächsische Sparkassenstiftung. 70.000 Euro kommt von der Bremer Landesbank. Die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz zahlt 30.000 Euro und die Stiftung der Kreissparkasse Verden ist mit 25.000 Euro dabei.

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