Kinderfeuerwehr ist ein Erfolgsmodell

Bierden. Zwei Themen dominierten die Jahreshauptversammlung der Ortsfeuerwehr Bierden: Zum einen wurde eine Kinderfeuerwehr gegründet. Zum anderen ging es in dem sowieso schon einsatzreichsten Jahr aller Zeiten regelmäßig zur Aller-Weser-Klinik. Handwerker lösten unabsichtlich die Brandmeldeanlage aus.

Bürgermeister Uwe Kellner, Jan Jäger, Hartmut Neumeier, Fritz Wohlers, Tim Hagens, Marco Wohlers, Ortsbrandmeister Klaus Mindermann und Stadtbrandmeister Olaf Dykau

Bürgermeister Uwe Kellner, Jan Jäger, Hartmut Neumeier, Fritz Wohlers, Tim Hagens, Marco Wohlers, Ortsbrandmeister Klaus Mindermann und Stadtbrandmeister Olaf Dykau

„Die Gründung unserer Kinderfeuerwehr im April war ein Highlight, wie wir es nicht jedes Jahr in Bierden erleben“, sagt Ortsbrandmeister Klaus Mindermann. Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung haben die Organisatoren viel abklären und recherchieren müssen. Erleichtert wurde die Gründung durch Anke Mindermann und Nicole Hagens. Die Mütter erklärten sich bereit, die Kinderabteilung zu leiten und traten zusätzlich in den aktiven Dienst ein. „Als Randerscheinung hatten wir somit erstmals Frauen in unserer Männerwirtschaft“, sagt der Ortsbrandmeister.

In diesem Jahr wechselt bereits das erste Kind von der Kinder- zur Jugendabteilung. Das Ortskommando verzeichnet dies als ersten kleinen Erfolg, denn die Mädchen und Jungen sollen schon in jungen Jahren an die Feuerwehr gebunden und so auf lange Sicht die aktive Wehr gestärkt werden. „Die Gründungsveranstaltung war überwältigend. Wir sind von den Kindern fast überrannt worden“, sagt Kinderfeuerwehrwartin Nicole Hagens. Von 36 angemeldeten Kindern sind 23 Jungen und 7 Mädchen übrig geblieben. Aufgrund der Großen Mitgliederzahl gibt es inzwischen zwei Gruppen. Highlights für die Kinder waren der Besuch eines Rettungswagens sowie der Bau einer Spritzwand. Beim nächsten Dienst lernen die Kleinen die Wärmebildkamera der Achimer Wehr kennen.

Doch die Erfolgsgeschichte Kinderfeuerwehr hat auch eine Kehrseite: Es gibt keine Zuschüsse von der Stadt. Der Ortsbrandmeister kritisiert, dass ein attraktiver Dienst mit leeren Kassen kaum möglich ist. Um den Kindern dennoch etwas bieten zu können, werden alle zwei Monate einige Euro eingesammelt. Außerdem wurde eigens für die Kinderfeuerwehr ein Förderverein gegründet. Außerdem hofft der Ortsbrandmeister auf ein Einsehen bei der Stadtverwaltung und künftig auf ein kleines Budget für die Kinderabteilung. Geld konnte Bürgermeister Uwe Kellner an Ort und Stelle nicht zusagen. Doch auch er sieht die Bierdener mit ihrer Kinderfeuerwehr auf einem guten Weg. „Wir müssen die Kinder rechtzeitig in die Wehr bringen“, so Uwe Kellner.

Im Jahr 2010 zählte der Ortsbrandmeister 24 Alarmierungen – ein neuer Rekord. „Die Zahl zeigt, wie wichtig es ist, in Bierden eine Feuerwehr zu haben“, betont Mindermann. Seine Truppe hat insbesondere das Krankenhaus auf Trab gehalten. Mehrfach hatten Handwerker ungewollt die Melder ausgelöst. „Man hätte die Brandmeldeanlage während der Renovierungsarbeiten abstellen können. Doch in einem Krankenhaus war uns das zu riskant“, sagt Stadtbrandmeister und stellvertretender Kreisbrandmeister Olaf Dykau.

Eine Woche vor dem Abriss des Schwesternwohnheimes hinter dem Klinik-Gebäude hatten alle sechs Achimer Ortswehren die Gelegenheit, ihr Können bei einer geheimen Einsatzübung unter Beweis zu stellen. Klaus Mindermann setzt sich dafür ein, öfter als bisher gemeinsame Übungen abzuhalten. Ernst wurde es am 23. November. Eine Heißmangel brannte in einer Praxis im ersten Stock. Die Flammen konnten schnell gelöscht werden.

Neben den Einsätzen in der Aller-Weser-Klinik gab es mehrere Flächen- und Containerbrände. Eine vergessene Kerze in einem Wohnhaus hätte außerdem fast zu einem Zimmerbrand geführt.

Des Weiteren haben die Feuerwehrleute in Zusammenarbeit mit dem Gasthaus „Zur Linde“ ein Pfingstkonzert sowie ein Deichfest veranstaltet. Beides soll auch im Jahr 2011 über die Bühne gehen.

Bei der Jahreshauptversammlung wurde Fritz Wohlers aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Er wechselt in die Altersabteilung. Hartmut Neumeier, Jan Jäger und Tim Hagens wurden zu Oberfeuerwehrmännern befördert. Marco Wohlers darf künftig die Schulterklappen eines Löschmeisters tragen.

„24 Einsätze sind nicht ohne“, sagt Olaf Dykau. Er erinnerte daran, dass es nicht nur eine Belastung für die Feuerwehrleute und deren Familien ist, sondern auch für viele Arbeitgeber. „Für Arbeitnehmer wird es immer schwerer, für Einsätze freigestellt zu werden. Dabei ist das für die Sicherheit aller Bürger wichtig“, so Olaf Dykau. Seiner Ansicht nach sollte es für jeden Betrieb eine Auszeichnung sein, einen Feuerwehrmann zu beschäftigen. Er dankt ausdrücklich allen Firmen, die einen freiwilligen Brandbekämpfer beschäftigen und diesen für Einsätze freistellen. „Das ist leider nicht mehr selbstverständlich“, bedauert Dykau.

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