Achim. Sie können Korn mahlen, Holz sägen, Wasser pumpen oder Strom erzeugen – die Windmühlen. Wie es im Inneren einer Windmühle aussieht, wie die Technik funktioniert und wie weit man von der Galerie aus blicken kann, das können Besucher dreimal im Jahr bei Führungen in der Achimer Mühle erfahren.

Wie funktioniert eine Windmühle? Diese Frage beantwortete Gästeführer Manfred Drees bei einer Führung.
„Am Mühlentag sowie am Tag des offenen Denkmals bieten wir Führungen an. Hinzu kommt eine Begehung kurz nach den Sommerferien. Wer möchte, kann aber auch eine private Führung für eine Ausflugsgruppe buchen“, sagt Gästeführer Manfred Drees. Vor 14 Tagen hat er eine Fahrradtour aus Ludwigsburg durch das Gebäude geführt, jetzt wiederholte er die Veranstaltung mit rund 20 Teilnehmern aus Achim, Thedinghausen, Bremen und Kiel.
Die Führung begann vor dem 28 Meter hohen Bauwerk. „Die Mühle, so wie wir sie kennen, wurde 1761 erbaut. Davor stand am selben Platz eine Mühle, die abgebrannt ist“, erzählt Manfred Drees.
Müller Weidenhöfer hatte nach dem Brand den Antrag für den Neubau einer sogenannten Holländerwindmühle mit Galerie gestellt. Der Antrag wurde genehmigt. Für Verwunderung sorgte Drees mit seiner Anmerkung, dass der Müller damals nichts verdient hat. „Dafür bekam er ein Sechzehntel des gemahlenen Korns“, so der Gästeführer. Zum Verkauf hatte Müller Weidenhöfer damals ein heute stadtbildprägendes Gebäude an der Obernstraße errichtet. Jetzt residiert Juwelier Rumsfeld in dem kleinen Eckhaus am Bibliotheksplatz.
Weiter ging es in die Mühle. Dort erläuterte Manfred Drees den Weg vom Korn zum Mehl. Dabei kletterten die Teilnehmer teilweise bis in den „Kopf“ der Mühle. Dieser ist an seiner Spitze 28 Meter hoch und wiegt 21 Tonnen. Trotzdem ist er so gelagert, dass er sich im Wind drehen kann. Fast auf alles konnten die Besucher einen Blick werfen, nur um die Staubfilter machte der Gästeführer einen Bogen. „Die sind noch Original und heute natürlich nicht mehr zu bekommen“, so der Gästeführer.
Auf der Galerie konnten die Besucher einen freien Blick über die Wesermarsch genießen. „Als die vielen noch nicht standen, konnte der Müller sieben weitere Mühlen sehen. Sogar die Arberger hatte er im Blick“, erzählte Drees.
Mit der „Mühlensprache“ (die unterschiedliche Flügelstellungen hatten verschiedene Bedeutungen) konnten die Müller damals über weite Entfernungen kommunizieren. Beispielsweise signalisierte der Müller eine Pause, weil der Mühlstein geschliffen werden musste oder den Feierabend des Handwerkers.
Inzwischen wird die Achimer Windmühle nicht mehr so häufig wie früher für private Veranstaltungen gebucht. „Vor allem bei Geburtstagsfeten jüngerer Leute haben sich die Nachbarn über die Lärmbelästigung beschwert. Deshalb vermieten wir das Gebäude nicht mehr für solche Feten“, sagt Drees.
Im kommenden Jahr ist in der Windmühle eine Hochzeitsfeier geplant. „Braut und Bräutigam haben bereits alles ausgemessen. Aber sie sollten nichts genaues planen, denn bis dahin wird das Erdgeschoss anders aussehen“, sagt der Gästeführer. Er plant mit dem „Verein zur Erhaltung der Achimer Windmühle“ eine Umgestaltung. So sollen die zwei Mühlsteine, die zur Zeit als Tische dienen, ins Freie gebracht werden. Ein dritter Mühlstein soll einen höheren Sockel erhalten, so dass er als Stehtisch dienen kann. „Vorher müssen wir aber noch herausfinden, wie die tonnenschweren Steine im Fundament befestigt sind und wie sie sich transportieren lassen“, so Drees.
Außerdem sind weitere Veranstaltungen geplant, denn die Mühle feiert 2011 ihren 250. Geburtstag.