Achim. In der Hauptstraße gibt es weniger Schlaglöcher als in der Heimat – dies hat Liene Jurgena aus Cesis sofort bemerkt. Kein Wunder, als Tiefbau-Ingenieurin ist sie vom Fach. Nun schaut sie sich bis Freitag die Arbeitsabläufe im Rathaus und Bauhof an, um von den neuen Erfahrungen zu profitieren.
Begleitet wird sie von sieben weiteren Verwaltungsmitarbeitern aus Achims lettischer Partnerstadt. „Jeder unserer Gäste hat eigene Fachgebiete, deswegen werden sie teilweise von unterschiedlichen Mitarbeitern betreut“, erklärt Kirsten Jäger von der Stadt. So ist die Tiefbau Ingenieurin beispielsweise am heutigen Donnerstag für einen Tag Gast auf dem Bauhof der stadteigenen Grundstücks- und Gebäudeverwaltung (GGA). Dort möchte sie erfahren, wie in der Weserstadt die Straßen unterhalten und gewartet werden. Hinzu kommt die Pflege der Grünfläche und Beleuchtungen. Außerdem betreut die GGA sämtliche städtische Neubau- und Sanierungsprojekte.
Nicht weniger Arbeit kommt auf die anderen Gäste zu. Sie interessieren sich für Themen wie Tourismus, Bibliothek, Natur- und Klimaschutz, Förderanträge an die EU und Tagesbetreuung für Senioren. An mehreren Terminen nehmen alle Letten teil. Beispielsweise am Besuch der Achimer Tafel oder eine Veranstaltung, bei der sich die Bürgerstiftung vorstellt. Bei einem Besuch in Bremen soll das Universum besichtigt werden. Etwas später folgt ein Rundgang durch das Magdeburger Viertel. „Dort leben Menschen aus über 20 Nationen auf kleinem Raum zusammen. Vergleichbares gibt es in Cesis nicht“, sagt Kirsten Jäger.
Eines ist den lettischen Gästen bei ihrem Besuch in Achim wichtig, sie wollen sich bei einigen Förderern bedanken. Mitglieder des Fördervereins Achim-Cesis hat der Partnerstadt einen nagelneuen Behindertenbus gesponsert. Das Fahrzeug besitzt eine spezielle Hebeeinrichtung, so kann es bis zu drei Personen und deren Rollstühle befördern. Zusätzlich stehen bis zu fünf weitere Sitzplätze zur Verfügung. „Vor der Anschaffung hat es in Cesis kein spezielles Fahrzeug für solche Beförderung gegeben“, erzählen die Gäste. Nun können Behinderte deutlich besser am kulturellen Leben teilhaben. Um sich diesen Kleinbus anschaffen zu können, haben sowohl die Letten als auch ihre Freunde in Achim drei Jahre lang Geld gesammelt.