Geheime Großübung der Feuerwehr

Stadtfeuerwehrübung in Achim

Stadtfeuerwehrübung in Achim

Die alte DRK-Wache hinter dem Krankenhaus war Schauplatz einer geheimen Stadtfeuerwehrübung in Achim. 19 Menschen mussten aus dem Gebäude gerettet werden.

Achim. 19 Menschen besetzen das ehemalige DRK-Heim und bringen sich durch selbst gelegte Brände in Lebensgefahr und verbarrikadieren sich. Es war ein ungewöhnliches Übungsszenario für die geheime Großübung der sechs Achimer Ortsfeuerwehren.

Um kurz nach 19 Uhr wurden die Feuerwehrleute aus Bierden und Achim alarmiert. Angeblich sollte das ehemalige DRK-Heim hinter dem Krankenhaus, das vormals als Schwesternwohnheim genutzt wurde, brennen. Als die Einsatzkräfte das Gebäude hinter dem Achimer Krankenhaus erreichten, wurden sie nicht nur von Stadtbrandmeister Olaf Dykau und seinem Stellvertreter Ralf Mühlenstedt begrüßt, sondern auch von einer gröhlenden Horde an den Fenstern des Gebäudes.

Feuerwehrleute aus Oyten, Jugendfeuerwehrmitglieder Bierden und Betreuer der Kinderfeuerwehr mimten insgesamt 19 Hausbesetzer, die sich im Obergeschoss der zweistöckigen Immobilie einquartiert hatten und ihren Bau scheinbar nicht kampflos aufgeben wollten. Doch raus mussten die Leute, denn das Übungsszenario sah einen Gebäudebrand vor. Außerdem mussten die Brandbekämpfer einen drohenden Waldbrand verhindern.

Da die Kräfte für einen solchen Einsatz nicht ausreichten, wurden die weiteren vier Ortsfeuerwehren alarmiert. Währenddessen gingen die ersten Trupps unter schwerem Atemschutz in das Gebäude vor. Über eine Treppe gelangten sie in den ersten Stock, wo sie eine Tür aufbrechen mussten. Doch nach dem Hindernis wurden sie nicht freundlich Empfangen, sondern mussten sich durch zusammengeschobene Schränke, Schreibtische und Betten kämpfen, die von den Hausbesitzern auf den Flur geschoben worden waren.

Die Feuerwehrleute, deren Sicht durch die Atemschutzmasken und Dunkelheit eh schon beeinträchtigt war, mussten sich nicht nur durch die Barrikaden kämpfen, sondern ihr Equipment ganz genau im Auge behalten. So schnappte sich Hausbesetzer Lüer Moritz das kurz abgelegte Strahlrohr eines Feuerwehrmannes und warf es aus dem Fenster. Kurz darauf folgte ein Schlauch. Auch eine Feuerwehraxt ging in den Besitz der Hausbesetzer über.

Erst nach einigen Minuten und mit einem hohen Personalaufwand schafften es die Feuerwehrleute die Lage in den Griff zu bekommen. Nach und nach führten sie die Hausbesetzer ins Freie. Die letzten mussten getragen werden. Nicht jeder Feuerwehrmann schaffte dies nach einem kräftezehrenden Einsatz unter Atemschutz problemlos. Insbesondere auf der Treppe nach unten mussten einige Brandbekämpfer Pausen einlegen.

Auch im Freien kamen die Feuerwehrleute ins Schwitzen. Das Szenario sah vor, dass sie umliegende Gebäude schützen und einen Waldbrand verhindern mussten. Dies gelang nur durch das legen zahlreicher Schlauchleitungen und dem Einsatz mehrerer Strahlrohre.

Eine besondere Premiere erlebten die Feuerwehrleute im Erdgeschoss. Dort war die neue Brand-Simulationsanlage aufgebaut. Befeuert aus drei Gasbrennern wurde ein Zimmerbrand realitätsnah dargestellt. Obwohl ein Fenster weit geöffnet war, konnten die Feuerwehrleute die enorme Hitze im Brandzimmer selbst durch ihre dicke Schutzkleidung spüren. Ralf Mühlenstedt steuerte die Anlage per Fernbedienung. Den Löscherfolg stellte er mit kleiner werdenden Flammen dar. Die Stadtfeuerwehrübung nutzte der stellvertretende Stadtbrandmeister, um möglichst vielen Atemschutztrupps die Möglichkeit zum Üben mit echten Flammen zu geben. Die Simulation mit der Anlage in einem geschlossenen Raum war nur möglich, weil das Gebäude in der kommenden Woche abgerissen und einem neuen Krankenhaus-Parkplatz weichen soll.

„Die sechs Feuerwehren haben die Aufgaben gut gelöst. Einige Kleinigkeiten gibt es noch zu verbessern. Dies passiert in den regulären Ausbildungsdiensten der Ortswehren“, zieht Olaf Dykau nach der Übung ein positives Fazit. Zufrieden ist er auch mit der erstmals bei einer solchen Übung genutzten Brandsimulations-Anlage, mit der die Feuerwehrleute die entstehende Hitze spüren können. Auch für die Oytener Brandbekämpfer, die insgesamt elf Hausbesetzer spielten, wird der Einsatz noch lange in Erinnerung bleiben. „Beim zerdeppern hatten wir wirklich Spaß“, so der einstimmige Tenor.

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