Achim. Seit dem vergangenen Wochenende ist die Magdeburger Straße farbiger als jemals zuvor. Zirka 20 Jugendliche aus Achim-Nord haben eine über 100 Meter lange und triste Garagenwand mit Graffitis verziert.
Organisiert wurde die Aktion von Jan-Henning Göttsche, der für den Verein Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe (SoFa) arbeitet. Außerdem halfen Sven Dankleff und Bastian Morbe mit. Beide sind Kunsttherapeuten an der Fachhochschule in Ottersberg.
Projektstart war bereits vor über zwei Monaten. Viele Teilnehmer waren schon bei einer ähnlichen Aktion beteiligt, die 2007 stattfand. Damals verzierten die Jugendlichen die Außenwand des sogenannten Servicehauses. Dieses wurde wenige Wochen später abgerissen, das Kunstwerk damit ebenfalls zerstört.
Die Bilder des aktuellen Streetart-Projekts sollen die Garagenwand länger schmücken. „Wir haben Glück, dass die Immobilie vom Achimer Verwalter ’Prinz Immobilien’ betreut wird. Dort ist man mit unsere Verschönerungsaktion zufrieden“, so Organisator Jan-Henning Göttsche.
Zwei bis dreimal wöchentlich hat der Sprayer-Nachwuchs an der über 100 Meter langen Garagenwand trainiert. Am Wochenende wurde es dann ernst, denn die Jugendlichen haben die Endversion fertiggestellt.
Doch bevor die Jugendlichen an die Wand durften, mussten sie ihre Entwürfe ganz klassisch mit Bleistiften auf Papier zeichnen. „Macht zwar keinen Spaß, aber muss sein“, kommentierte Pedran.
„Wir möchten den Jugendlichen aus dem Viertel die Möglichkeit geben, sich auszudrücken. Außerdem sollen die Teilnehmer die einmalige Chance bekommen, sich in ihrem Umfeld zu präsentieren, sich hier auf positive Weise zu verewigen“, erzählt Jan-Henning Göttsche.
Die Teilnehmer sollten keine bunten Bilder auf die Wand sprayen, sondern ihren Künstlernamen. Spitznamen waren dabei nicht erlaubt. „Buchstaben sind einfacher und gehören zur Szene“, erklärt Jan-Henning Göttsche.
„Ich bin der Prinz aus Achim. Deswegen spray ich ’Prinz’ an die Mauer“, erzählt Ugur. Der 16-Jährige bewies Kreativität und verzierte sein Bild mit einer goldenen Krone. Außerdem gestaltete er die oberen Bereiche heller als die unteren. „Sieht so besser aus“, so Ugur.
Auch Mädchen beteiligten sich an dem Projekt. „Die Jungs können zwar besser Sprayen, aber die haben auch mehr Erfahrung“, bilanziert Rukiye.
„Unser Getto braucht eine eigene Spraywand. So schnell wie nur möglich“, wurde es bei dem 15-jährigen Cebre ein Stück weit politisch.
Ermöglicht haben das Streetart-Projekt in der Magdeburger Straße das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Europäische Sozialfonds sowie die Europäische Union. Denn diese drei Einrichtungen haben das Projekt mit dem Programm „Stärken vor Ort“ gefördert.