Achim. Einen schweißtreibenden Einsatz absolvierten die Achimer Feuerwehrleute am Sonnabend. Mit ihren tonnenschweren Fahrzeugen mussten sich die Brandbekämpfer einen Weg vorbei an den Ständen des Wochenmarktes bahnen. Denn am Bibliotheksplatz, so sah es das Übungsszenario vor, stand der Dachstuhl eines Geschäftshauses in Flammen: Mehrere Personen sind im zweiten Stock, dichter Qualm versperrt den Fluchtweg.
Der Einsatzleitwagen und zwei Löschfahrzeuge fuhren am Amtsgericht in die Fußgängerzone ein. Die Passanten machten den Einsatzkräften schnell Platz. Marktbeschicker rückten ihre Auslagen zurück und klappten die Dächer ihrer Verkaufswagen ein. Nach zwei Minuten waren die Brandbekämpfer am Ziel.
Deutlich länger dauerte die Anfahrt von Drehleiter und Rüstwagen. Beide steuerten den Bibliotheksplatz von der Gieschen-Kreuzung aus an. Die Obernstraße war fast komplett zugestellt. Die Einsatzkräfte baten die meist überraschten Marktbesucher, mitanzufassen, um Blumen und Ausstellungswagen beiseitezuräumen.
Einige Geschäftsleute waren so überrascht, dass sie ihre eigenen Auslagen nicht schnell genug zurückräumten, um eine ausreichend breite Rettungsgasse zu schaffen.
Fünf Minuten brauchte die Drehleiter, um den Einsatzort zu erreichen. „Es ging nur quälend langsam voran“, beschrieb nach Übungsende Frank Boblat, Sprecher der Achimer Ortsfeuerwehr, die Probleme mit der Drehleiter. „Wertvolle Zeit ist uns dabei verloren gegangen. Im Realfall sind Menschenleben in Gefahr.“
Die Marktbeschicker wussten im Vorfeld nichts von der Übung. „Es sollte so echt wie möglich sein“, erzählt Marktmeister Manfred Masanek. Einige fanden es gut, dass eine Übung stattfand. Andere schimpften über einen Verkaufsausfall. „Die Übung macht gerade Sinn, wenn die Marktstände noch aufgebaut sind und die Menschen einkaufen wollen. Denn nur so kann man sehen, ob die Fahrzeuge durchkommen“, so der Marktmeister. „Es nützt nichts, die Dinge immer nur schön zu reden, die Realität sieht anders aus. Die Beschicker müssen ihre Plätze einhalten, denn nur dann kommen die Fahrzeuge durch die Fluchtwege.“
Zu chaotischen Szenen kam es teilweise an der Einsatzstelle. Diese wurde von der Polizei großflächig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Manche Schaulustige und Marktbesucher krochen einfach unter den Absperrungen hindurch und wollten, auf Ansprache der Polizisten, ihr Fehlverhalten nicht einsehen.
Uwe Ruppe, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Achimer Polizei, hat die Übung in Zivil beobachtet. „Dass Schaulustige in dem Moment, wenn kein Polizist in der Nähe ist, die Absperrungen ignorieren, hat mich nachdenklich gestimmt. Für uns heißt das im Ernstfall, dass wir mit mehr Polizeibeamten vor Ort sein müssen, um dies zu unterbinden“, so Ruppe.
Bei der Übung waren zwei Beamte eingesetzt worden. Nach seinen Angaben müssten es bei einem realen Einsatz mindestens vier Polizisten sein, um die notwendigen Absperrungen durchführen zu können.
Teils positiv, teils negativ bewertet Feuerwehr-Einsatzleiter Ralf Mühlenstedt den Übungsverlauf. „Stadtverwaltung, Polizei und Feuerwehr haben die Übung angesetzt, um die Durchfahrtmöglichkeiten bei einem Brand oder anderen Hilfeleistungen an Markttagen zu testen. Bis auf ein paar Kleinigkeiten war die Anfahrt gut. Das war nicht zu erwarten. Die ersten Fahrzeuge sind zügig durchgekommen. Was länger gedauert hat, war die Anfahrt der Drehleiter“, bilanzierte Ralf Mühlenstedt.
„Die Einsatzübung hat allen Beteiligten gezeigt, dass wir noch ein bisschen an uns arbeiten müssen. Aber im Großen und Ganzen schaut es gut aus“, zog Manfred Masanek eine erste Bilanz.